Werbung von hinten
4. April 2009Was dieser Bericht soll — keiner weiß es. Wahrscheinlich handelt es sich nur um Werbung. Durch die Hintertür. Ein Versuch, ein wenig auf die Tränendrüse zu drücken, um das Volk pro Sporteum, und damit für einen schrittweisen Umbau des Volksparks, zu stimmen.
Das Abendblatt schreibt gut ein dreiviertel Jahr nach seinem ersten “Hurra!”, erneut über das Sportmuseum im Volkspark. Diesmal mit ein wenig mehr Schmalz (Hinweis auf Max Schmeling). Sollen so Investoren gefunden werden? Soll so die Bevölkerung pro Sporteum eingestimmt werden?
Was offensichtlich fehlt, daher wohl der weitere Artikel zu dem Bauvorhaben, ist Geld. Ende Juni waren es noch zwei bis drei Millionen Euro
— für den ersten Bauabschnitt. Jetzt sind es drei bis fünf Millionen Euro
. Von einem ersten Abschnitt diesmal keine Rede, geschweige denn von dem Gesamtvolumen der Kosten.
Was bleibt — auch in diesem Artikel: der Hinweis darauf, dass das Sporteum ein Prestige- und Leuchtturmprojekt werden soll. Brauchen wir wirklich noch mehr davon? Und dann noch mitten in der Natur?
Der Bericht riecht jedenfalls nach Werbung. Dabei dachte ich, diese müsste besonders gekennzeichnet werden? Gleichzeitig ist der Bericht eine Art “Pistole auf der Brust”. Heißt es doch, der Initiator des Projekts erwarte finanzielle Unterstützung der Stadt
. Denn Hamburg schimpfe sich schließlich immer Sportstadt, da müsse die Stadt nun den Geldhahn für dieses Projekt öffnen.
“Sportstadt Hamburg”? Mir war so, als wäre dieser Begriff schon längst begraben. Muss man jedenfalls von ausgehen, wenn selbst die Hamburg Marketing GmbH den Sport von ihrer Werbeagenda genommen hat …
Der Senat macht Ernst mit seinen Bemühungen den Volkspark umzugestalten. Am 10. Juli wurde der Startschuss gegeben die Volkspark Arena auf dem Parkplatz “Grau” zu bauen. Die Eis- und Ballsportarena wird nördlich der Color Line Arena gebaut werden.
Am 13. August feierte das Volksparkbündnis bei schönstem Wetter das 1. Volksparkfest auf der Großen Festwiese unter dem Motto: “Keine Kommerzialisierung und Privatisierung öffentlichen Eigentums”.
Der Stand unseres Volksparkbündnis war teilweise so stark belagert, dass wir dem Andrang und Wunsch nach Informationen teilweise nur schwer nachkommen konnten. Viele empörte Menschen wollten ihre Unterschrift auf die Protestliste setzen, die meisten konnten es gar nicht fassen, was der Hamburger Senat im Volkspark vor hat. Sie glauben nicht, dass der Park angeblich zu wenig Besucher hat; “das ist doch nur vorgeschoben”, “ich find das ja grade so toll, dass es hier nicht so überfüllt ist”, “die wollen sich doch den Volkspark unter den Nagel reißen um sich den Schotter einzusacken”, “die werden die Quittung bei der nächsten Wahl schon kriegen!”, “wir brauchen nicht noch mehr Stadien, wir brauchen mehr Geld für Bildung und für Kinder”, “ich wohne hier seit 50 Jahren, ich kenne den Volkspark noch, als hier noch alles viel uriger war”, “das Volksparkbad war so schön, das haben die uns auch weggenommen”, “diese Pläne? - nur über meine Leiche!” — solche und noch viel mehr wütende Aussagen konnte ich von den Menschen an unserem Stand hören.
